|
Székesfehérvár (E–F5) Diese Stadt durchlief im letzten Jahrzehnt des 20.
Jahrhunderts im Landesvergleich die dynamischste Entwicklung. Hier treffen
die tausendjährige Vergangenheit sowie Großindustrie und
Spitzentechnologie aufeinander. In den romantischen Gassen und versteckten
Höfen des Stadtzentrums können wir auch heute noch auf Besonderes
stoßen: auf eine 1906 gegründete, vom Duft des Leders durchdrungene
Sattlerwerkstatt, auf das Apothekenmuseum „Zum Schwarzen Adler“
(Fekete Sas Patikamúzeum), eine Puppensammlung oder auf ein von einem
hiesigen Uhrmacher angefertigtes, neues Glockenspiel. Beim Klang der
Glocken spazieren zu jeder Stunde Königsfiguren aus der Spieluhr heraus.
Das 972 gegründete Székesfehérvár – seinerzeit trug es den Namen Alba
Regia – war die Stadt der Könige. Sie wurde von Fürst Géza gegründet. Die mittelalterliche
Basilika war die Krönungs- und Bestattungsstätte der ungarischen
Könige; in ihrer Hauptkirche wurden siebenunddreißig ungarische Regenten
gekrönt und fünfzehn bestattet, unter ihnen der Staatsgründer König Stephan.
Von der Basilika aus dem 11. Jahrhundert, die jahrhundertelang das bedeutendste
Gebäude des Landes und Zentrum des Justizwesens war, sind heute
nur noch Überreste im mittelalterlichen Ruinengarten zu sehen. Hier befindet
sich das Mausoleum des Heiligen Stephan mit dem prachtvollen
Steinsarkophag. Die Kopfreliquie des Staatsgründers ist im heutigen, im
Barockstil erbauten bischöflichen Dom zu sehen.
In Fehérvár wurde die Heilige Krone im Staatsarchiv aufbewahrt und der
Landtag hielt hier seine Sitzungen ab. Auf einem der schönsten Plätze der
barocken Innenstadt ist eine Steinskulptur zu sehen, welche eine der
Insignien der Krone abbildet, den Reichsapfel. Die Skulptur ist zum
Wahrzeichen der Stadt geworden. Dahinter finden wir das barocke Rathaus,
das bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts vorhanden war und an das
später auch der im Zopfstil errichtete Zichy-Palast angegliedert wurde. Das
älteste, unversehrt erhalten gebliebene Gebäude der Stadt ist die St.-Annen-
Kapelle aus dem 15. Jahrhundert. Und noch etwas Interessantes: In
Székesfehérvár siedelten sich im 16. Jahrhundert in großer Zahl serbische
Gewerbetreibende an. Ihre liebevoll restaurierten Häuser und ihre mit
Ikonostasen geschmückte Kirche, die den byzantinischen und den Rokoko-
Stil vereint, wurden der Nachwelt erhalten und bilden heute ein imposantes
Freilichtmuseum. Das Freilichtmuseum, in dem heute auch ein Museum der
Milchindustrie und das Haus der Kunsthandwerker besichtigt werden können,
wurde für die würdige Bewahrung von Kulturdenkmälern mit dem
Europa-Nostra-Preis ausgezeichnet.
Velencei-tó (F5) Europas tiefster See kann sich im Sommer auf 26–28 Grad Celsius
erwärmen. Den Velencei-See, der sich ungefähr auf halber Strecke zwischen Budapest und
dem Balaton befindet – und dessen Ufer seinerzeit schon von den Römern aufgesucht wurden
– war lange von Fischerdörfern umgeben. Die direkt am Wasser liegenden Höfe, die
Barkassen und die zur Fischlagerung dienenden Eisgruben sind schon lange aus den
Siedlungen verschwunden. Der Velencei-See gehört heute jedoch zu den beliebtesten
Ferienzentren und Angelparadiesen in Ungarn. Seine Tiefe beträgt durchschnittlich anderthalb
Meter, sodass er auch gern von Familien mit Kleinkindern aufgesucht wird. Agárd (F5), der
beliebteste Badeort des Sees, ist zugleich ein Zentrum des Wassersports – Surfen, Segeln. Das
sich nördlich des Sees erhebende Velencei-Gebirge ist ein beliebtes Gelände für Wandertouristen.
Tác-Gorsium (E5) Größtes Freilichtmuseum und archäologischer Park Ungarns. Das Ruinenfeld
einer Siedlung aus der Römerzeit wurde genau eine römische Meile (1480 m) vom heutigen Dorf
Tác entfernt gefunden. Ursprünglich befand sich hier ein Militärlager, später wurde Gorsium das
religiöse Zentrum von Pannonien und Schauplatz der Landtage. Bei den über vierzig Jahre dauernden
Ausgrabungen wurden die Stadtmauer, Tore, Foren, Kirchen, Heiligtümer, Bäder und Paläste
freigelegt.
Mór (E5) Dieser Landstrich ist für seinen Wein, den Móri Ezerjó („Morer Tausendgut”) bekannt. Schon
die Römer wussten, dass der Graben, der das Bakony- vom Vértes-Gebirge trennt, ein ausgezeichnetes
Gebiet für den Weinanbau ist und schon damals beschäftigten sie sich mit der Rebenzucht. Auch
nach der Ansiedlung der Magyaren setzte man den Weinbau fort. Der Ezerjó ist eine der charakteristischsten
altungarischen Weinsorten. Die Kelterhäuser und Weinkeller der Kleinstadt Mór wurden aus
dem Kalkstein des Vértes-Gebirges erbaut.
|
 |
Székesfehérvár, Apothekenmuseum
„Zum Schwarzen Adler” |
| |
 |
| Székesfehérvár, Freilichtmuseum mit Raitzenkirche |
| |
 |
| Tác-Gorsium |
|