Napoleon und die Fischsuppe

Viele vertreten die Auffassung, dass dieses erstklassige, typisch ungarische Gericht seine Entstehung indirekt Napoleon zu verdanken hat. Als der Kaiser Anfang des 19. Jahrhunderts England mit einer Blockade in die Knie zwingen wollte, wurde der Pfeffer auf den europäischen Märkten schlagartig knapp. Die einfallsreichen ungarischen Hirten ersetzten ihn durch getrockneten, zu Pulver gemahlenen roten Paprika und dieses Paprikagewürz wurde später zum neuen „Symbol“ der ungarischen Küche.

Hier „geboren”

Eines der bekanntesten Gerichte vom Balaton, das gefüllte Entrecote á la Csáky, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Balatonfüred „geboren”. Das Palace Sanatorium in Balatonfüred war in dieser Zeit schon landesweit für seine Küche und ihren Küchenchef und Meisterkoch Sándor Csáky bekannt. Ein Höhepunkt seiner 25-jährigen Laufbahn am Balaton war das mit Eierletscho gefüllte und mit Sauerrahm-Paprika-Saft servierte Entrecote.

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Von den Speisen des Sees sind die Fische, unter ihnen der „König des Balaton”, der Zander, am beliebtesten. Dieser Raubfisch aus der Familie der Barsche kann ein Gewicht von 9-10 kg und eine Länge von 120 cm erreichen. Sein Fleisch ist schneeweiß, zart, grätenlos und von makellosem Geschmack. Es ist also kein Zufall, dass er seit Jahrhunderten am Balaton auf den Speisekarten ganz oben steht. Nach der klassischen Zubereitungsmethode wird er im Ganzen gebacken.

Besondere hervorzuheben ist die Balatoner Fischsuppe. Ihre erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem 19. Jahrhundert und zwar aus der Gegend am Balaton. Das Gut Festetics in Keszthely (B 4) enthielt in seinem Vertrag mit den Fischern die Bedingung, dass diese verpflichtete, bei festlichen Gelegenheiten für die Gäste des Grafen „Fischbrüh” zu kochen. Fischsuppe ist dann am leckersten, wenn sie aus möglichst vielen Fischen gekocht wird, wobei die Karpfen- und Welsscheiben die „Krönung“ der Suppe sind.

Die meisten Ausländer verbinden die ungarische Küche in erster Linie mit Paprika-, Gulasch- und Pörköltgerichten, obwohl auch die ungarischen Gemüsegerichte einzigartig und köstlich sind. Die ungarische Küche behandelt das Gemüse auf ganz spezielle Art. Während in Europa und Nordamerika Gemüse im Allgemeinen naturell oder gedünstet auf den Tisch kommt, wird es in Ungarn mit einer Mehlschwitze gebunden, mit Rahm oder Ei angerührt bzw. mit Rahm oder Sahne angereichert oder in der eigenen Brühe serviert. Das Dill-Rahm-Kürbisgemüse erntet sogar bei französischen Feinschmeckern höchste Anerkennung! Vorzügliche Gerichte sind der ungarische Bohneneintopf mit geräucherter Schweinshaxe, der Tomaten-Kraut-Topf mit gebratenen Rippchen oder eben der Linseneintopf mit Debreziner Wurst.

Wenn man am Balaton zu Gast ist, lohnt es sich auch, die Wildgerichte zu kosten. Aus den gewaltigen Wäldern an den Ausläufern des Bakony-Gebirges, im Gebirge von Keszthely und im Hügelland von Somogy gelangen Reh, Hirsch, Wildschwein, Mufflon, Damwild, von den großen Wiesenflächen Hase, Fasan und Rebhuhn auf den Tisch der Restaurants. Hier eine kleine Kostprobe: Hirschschnitte in Rotwein mit eingemachten Preiselbeeren und Kartoffelkroketten oder Hasenrücken in Wildrahmsauce mit Semmelknödeln.

Und am Schluss sollte keinesfalls der Name der brodelnden Kesselgulaschsuppe fehlen. Wer vom Ausland zum ersten Mal an den Balaton kommt, sollte sein erstes Rendezvous mit der ungarischen Küche und diesem „fürstlichen Bauerngericht” haben! Guten Appetit dazu und guten Appetit zum Balaton!